Hans Sommer (1837-1922)
     
 
Home
Biografie
Werkverzeichnis
Zeitgenössische Presse
Hans-Sommer-Archiv
Förderverein
Projekt 100 Jahre GEMA
Literaturliste
Links
Kontakt
 

 

Hans Sommer (1837–1922)

Komponist und Mathematiker

Hans Sommer eroberte mit seinem Liedschaffen von etwa 1884 an einen festen Platz in den Konzertsälen des In- und (mittel- bzw. westeuropäischen) Auslands. Hinsichtlich der Entwicklungsgeschichte des spätromantischen Klavierlieds verortete Sommers Biograf Erich Valentin (als Monographie erschienen bei Henri Litolff’s, Braunschweig 1939) ihn „zeitlich unmittelbar vor Hugo Wolf“. Und schrieb weiter, „in ihm berühren sich – man möchte fast sagen: zum ersten und einzigen Male – die Linien, die von Schumann und Liszt ausgehen“.

Hans Sommer studierte privat Musik und war als Komponist u.a. Schüler von Julius Otto Grimm, Adolf Bernhard Marx und Franz Liszt. Er war Vorsitzender (und zusammen mit Richard Strauss der Initiator) der Genossenschaft Deutscher Komponisten (1898–1903) und saß am 14. Januar 1903 der Gründungsversammlung der AFMA, der Vorläufergesellschaft der GEMA, vor; war im Vorstand des Allgemeinen Deutschen Musikvereins (1903–1911), seit 1895 Mitglied der Niederländischen Maatschappij tot Bevordering der Toonkunst, Mitglied der Berliner Gesellschaft für Musikforschung (seit 1880) und seit 1922 (korrespondierendes) Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin.

Von den 10 Opern Sommers hatte besonders der 1892/93 in Weimar komponierte Einakter Saint Foix als Erstlingswerk der (historisierenden) spätromantischen „Konversationsoper“ (UA 1894, Hoftheater München) nach zunächst vehementer Ablehnung Interesse geweckt. Wie bei späteren Vertretern dieses Typus’ führen die Figuren des Stückes auf durchkomponierter symphonischer Grundlage eine lebhafte Konversation mit allen Feinheiten der Rede, auf Verständlichkeit des gesungenen Wortes ist große Sorgfalt verwendet; die Instrumentierung ist ohne signifikante Verringerung des um 1890 üblichen Orchesterapparats entsprechend durchsichtig gehalten. Hans von Wolzogens Libretto nach einer Vorlage (1802) des produktiven Pariser Librettisten Alexandre Duval führt in die Zeit Louis’ XIV. und bringt die typische Verwechslungskomödie des 18. Jhs. Sommer hatte sich bei Stoffwahl und Vertonung an eigenen gattungsgeschichtlichen Forschungen orientiert und Verdis bezüglich der Textbehandlung vergleichbaren Falstaff erst nach Drucklegung des eigenen Werkes (1893) durch eine Weimarer Aufführung im März 1894 kennen gelernt.

1875 war Sommer erstmals mit Richard und Cosima Wagner zusammengetroffen, gründete den Braunschweiger Patronat-Verein (Richard-Wagner-Verein) und initiierte mit Schauspielern des Braunschweiger Hoftheaters die literarische Erstaufführung von Wagners Parsifal-Dichtung (April 1882). Er blieb vor allem Cosima Wagner freundschaftlich verbunden (so schrieb Cosima Wagner in ihren Briefen an Strauss später gelegentlich von „unserem Freund Sommer“), dennoch hatte er sich, wie Sommer selbst in seinen Lebenserinnerungen schrieb, „einer blinden Gefolgschaft, in der manche, zum Beispiel Wolzogen [Anm.: gemeint ist der Herausgeber der Bayreuther Blätter Hans Paul von Wolzogen, 1848–1938] und Humperdinck sich sonnten, enthalten“.

Genauso wie im Klavierlied (mit der ab 1882 begonnenen mehr deklamatorischen Behandlung der Gesangsstimme, verbunden mit einem selbstständig geführten Klavierpart größerer klavieristischer Eigenart) bzw. in der Komischen Oper mit der Ausprägung des zunächst von Eugen d’Albert (Die Abreise; UA 1898) aufgegriffenen Typus’ der durchkomponierten, sich auf Genre-Formen des 18. Jhs. beziehenden „Konversationsoper“ hatte Sommer auch im spätromantischen Orchesterlied mit dem bereits Ende 1884 instrumentierten Liedzyklus Sapphos Gesänge ein feines Gespür für spätere Entwicklungen, die er anfangs mitgestalten konnte, was in der Musikgeschichtsschreibung bisher – wohl auf Grund langer Zeit unzugänglicher Quellen – allerdings unbeachtet geblieben ist.

Bevor Hans Sommer als Komponist bekannt wurde, war er nach einem in Göttingen absolvierten Mathematik- und Physikstudium von 1866 an als Professor für Mathematik am Braunschweiger Polytechnikum „Collegium Carolinum“ tätig gewesen und erwarb sich als Direktor des Polytechnikums (seit 1875) bzw. als erster Direktor der aus dem Polytechnikum hervorgegangenen Braunschweiger Technischen Hochschule „Carolo Wilhelmina“ (1878– 1881) bleibende Verdienste um den Erhalt und Ausbau des Wissenschaftsstandortes Braunschweig. Seine parallel erfolgte mathematisch-physikalische Grundlagenforschung an Linsensystemen übte vor allem großen Einfluss auf einen der seinerzeit weltweit renommiertesten Fotokameraproduzenten, die bis 1972 in Braunschweig ansässigen optischen Werke „Voigtländer & Sohn“ aus. Sommers Berechnungen führten zu zahlreichen Verbesserungen an Fotobjektiven, Fernrohren und -gläsern sowie u.a. zur Neukonstruktion der besonders lichtstarken Objektivserie „Euryscop“. Eine Firmenchronik von 1916 beschrieb das etwa von 1877 an produzierte „Euryscop“ als dasjenige, „welches vielleicht noch mehr als das erste Voigtländer-Petzval-Objektiv [Voigtländers] Ruhm in alle Weltteile trug und durch viele Jahre hindurch ‘das’ Objektiv für alle Fach- und Amateurphotographen war.“ Das hier erwähnte, nach Berechnungen des Wiener Mathematikers Josef Petzval gefertigte, vierlinsige „Petzval-Portraitobjektiv“ hatte 1840 den Ruf Peter Wilhelm Friedrich Voigtländers (1812–1878) als führender Kamerakonstrukteur begründet und Fotogeschichte geschrieben. Sommer war der Stiefsohn Voigtländers.

 
     
     
    |Impressum|Webmaster|21.09.2008|Abbildungen & Texte: © by Hans-Christoph Mauruschat|